In der Vergangenheit warst du nicht immer im gestalterischen Bereich tätig. Wie kam es zum Sprung von der musikalischen Welt zum Grafikdesign?
Grafikdesign oder Kommunikationsdesign ist wie guter Jazz. Man muss improvisieren, und man kann verschiedene Themen unterschiedlich interpretieren. Musik ist ein Momentum. Bei der visuellen Kommunikation wird dieses Momentum zu einem länger andauernden Zustand, der sich über die Zeit zwar auch verändern muss und soll, aber in der Entwicklung mehrere Stufen der Interpretation und Variation zulässt.

Was hat dich dazu bewegt, nach München zu gehen?
München war nicht das Kriterium. Ich wollte in einem Büro arbeiten, das für hohe Designqualität steht, das große Marken im Portfolio hat, ohne Mainstream zu sein, und wo Menschen arbeiten, mit denen man Pferde stehlen kann. KMS TEAM war und ist diese Markenschmiede.

Nun bist du bereits 16 Jahre beim KMS TEAM. Erkennst du Unterschiede des Grafikdesigns in München und Basel in Ansprüchen oder auch Wirkung?
Nein. Ich glaube, Basel und München liegen nahe beieinander. Vielleicht gibt es im inhaltlichen Bereich mehr Unterschiede: Ich denke, dass in der sogenannten Basler Designszene eine sehr hohe Qualität besteht auch aus der Geschichte und der Designtradition großer Persönlichkeiten heraus. Diese Exzellenz an gutem Design übertrifft manchmal den Inhalt. Was ich damit sagen will: In Basel spricht man mehr von Grafikdesign und in München mehr von Marken.

München strahlt einen großen Wert an Tradition und Kultur aus. Spürst du dies auch bei deiner Arbeit?
Hätte ich den Standort für das Unternehmen auswählen können, hätte ich mich für Barcelona entschieden. München ist eine Großstadt, aber zugleich auch ein internationales Dorf. «Mia san mia» ist wirtschaftlich ein hochentwickelter Standort, aber die Kreativität liegt nicht unbedingt in der Luft. Man muss die Inspiration woanders suchen: andere Kulturen, andere Länder, andere Haltungen. Um international gutes Design zu machen, braucht man mehr als nur lokale Luft. München ist eine weltoffene Stadt mit hoher Lebensqualität, viel Tradition und Kultur, aber meine Arbeit beeinflusst die Stadt nicht – denke ich!

Was macht ein gutes Team aus?
Menschen, die Spaß an der Arbeit haben! Mal ganz ehrlich: Wie können wir tolle Marken gestalten oder gutes Design machen, wenn wir keine Freude daran haben? Als Designer hat man einen der abwechslungsreichsten Berufe. Man kann in kleinen oder großen Schritten so viel prägen, verändern und verbessern. Die Themen, mit denen man sich befasst, sind immer neu und können auf die unterschiedlichste Art und Weise umgesetzt werden. So vielseitig die Aufgabenstellungen in unserem Alltag sind so unterschiedlich sollten die Fähigkeiten innerhalb eines Teams sein, um sich gegenseitig nach vorne zu bringen.

Ist für dich gute Kreation das Ergebnis von plötzlichen Inspirationen oder von harter Arbeit?
Gute Kreation ist das Ergebnis von gutem, inhaltlichem Verständnis.

Ist Wirkung wichtiger als Design?
Wenn wir Wirkung und Design trennen, stoßen wir auf zwei Welten, die sich gegenseitig verwässern. Unsere schnelllebige Zeit, die geprägt ist von Informationsflut, Konsumüberlastung und mangelnder visueller Qualität, ist der Garant für unseren Job. Ziel ist es immer, eine starke Wirkung durch noch stärkeres Design zu erzielen. Wenn ich mit offenen Augen durch den Alltag gehe, merke ich, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben.

Wo bist du eher kompromissbereit? In der Kommunikation oder im Design?
Nirgends. Ich bin ganz klar der Ansicht, dass gutes Design nur durch guten Inhalt funktioniert und umgekehrt.

Hat sich deine Einstellung zur kreativen Arbeit während deiner Zeit in München verändert?
Ja, bestimmt. Ich bin nach dem Studium in Basel gleich nach München gekommen. Direkt nach dem Studium hatte ich natürlich ganz andere Vorstellungen, was Kommunikationsdesign ist oder sein kann. Durch die Erfahrung verändert sich die Ansicht, und durch die Arbeit an großen Ideen verändert sich der Anspruch. Kreativ arbeiten heißt auch, Entscheidungen zu treffen. Ich glaube, wenn wir als Designer nicht die Fähigkeit besitzen, Entscheidungen zu treffen, können wir auch nicht nachhaltig verändern.

Während der vergangenen Jahre hat KMS TEAM viele internationale Auszeichnungen erhalten. Wie wichtig sind dir solche Auszeichnungen?
Auf jeden Fall sind Auszeichnungen wichtig! Für mich persönlich – für das eigene Ego! Nein, nicht ganz so narzisstisch. Klar ist man stolz, wenn die eigene Arbeit ausgezeichnet wird. Es gibt aber leider mittlerweile viel zu viele Preise und eine Auszeichnung ist eigentlich eher ein Investment, das in erster Linie dem Unternehmen dient. Viele Auftraggeber kommen über das Ranking einschlägiger Preise und Kreativrankings. Für mich persönlich stehen Preise und Auszeichnungen daher nicht an erster Stelle. Wichtiger ist es für mich, dass meine Arbeit andere inspiriert und nachhaltig zur Verbesserung der Gesellschaft beiträgt.

Das Interview führte Mirielle Dobler, Schule für Gestaltung Basel. 

 

 

 

Pressekontakt

Annette Koch
T +49 (0)89 490 411-368
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