Unter dem Leitthema »Metropolitan Ideas« haben wir unserem Publikum in einem gemeinsamen Vortrag mit Designern aus vier Metropolen die Themen Design und Marke vermittelt – als Programmpartner der »Munich Creative Business Week«, Deutschlands größtem Design-Event.

Das Interessante dabei: Unsere Design-Experten aus München, New York, Peking und Tokio stellten sich denselben übergreifenden Designfragen und veranschaulichten diese anhand von audiovisuellen Beispielen aus ihrer jeweiligen kulturellen Perspektive.

Dabei entstanden wertvolle Einblicke in die Design-Ursprünge der einzelnen Kulturen, deren Entwicklungsgeschichte, landestypischen Besonderheiten sowie Trends und Einflüsse auf Design, Branding und Marke. Trotz der individuellen Unterschiede ergaben sich auch einige Gemeinsamkeiten, da sich die Designwelt gegenseitig beeinflusst und bereichert. Kernelemente guten Designs und einer starken Marke sind universal gültig und finden global über Kulturgrenzen hinweg erfolgreich Anwendung.

Ein großer Dank an alle Gäste und Mitarbeiter für ein erfolgreiches Event und einen intensiven Gedankenaustausch.

Unser Key Visual wurde im Rahmen der Aktion »Creative Spaces / Munich designers for Metropolitan Ideas« im U-Bahnhof München Harras als Plakat aufgehangen.

Interviews mit unseren internationalen Sprechern bieten einen interessanten Einblick in das Thema des Abends – »München. New York. Peking. Tokio.«

Pressekontakt

Annette Koch
T +49 (0)89 490 411-368
a.koch@kms-team.com

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Interview Fabian Furrer

Interview zum Thema »Interkulturelles Design« – Fabian Furrer, Dongdao

Sie leben und arbeiten mittlerweile schon seit vielen Jahren in China. Was charakterisiert für Sie chinesisches Design und welche Elemente dominieren?
Seit sich China zu öffnen begann, strebt die jüngere Generation nach Erfolg, Glück und auch nach Selbstdarstellung. Diese Generation besitzt viel mehr Freiheit und Raum zum Gestalten, daher erlebt China eine Evolution in den Bereichen Design und Innovation. Durch die vielen verschiedenen Einflüsse in China, von Mao und Konfuzius, von Kommunismus und Kapitalismus, von Patriotismus und dem Kosmopolitischen, entsteht eine dynamische und sich ständig weiter entwickelnde Designindustrie. Zugleich herrscht eine enorme Geschwindigkeit und das Potenzial in diesem Bereich ist enorm – es ist faszinierend, ein Teil davon zu sein. Vielen erfolgreichen chinesischen Marken ist ein traditionelles, überliefertes Wissen inne und sie sind gleichzeitig international ausgerichtet.

Sie sind Schweizer, haben in Amerika studiert und gearbeitet, bevor Sie nach China gegangen sind. Was macht aus Ihrer Sicht gutes Design in Amerika und Europa aus und was in China?
In den USA und in Europa bedeutet gutes Design gleich gutes Geschäft. Folglich haben Unternehmen frühzeitig den Fokus auf Design gelegt. In den USA steht Design für Wagemut, mit schlichten und modernen Bildern – es wird eine bestimmte Vorstellung vermittelt und ein explizites oder implizites Statement gesetzt.
In Europa erleben wir ebenfalls die Modernisierung aller Erscheinungsformen von Marken. Im Grunde wurde den Designern beigebracht, dass sie etwas erst verstehen müssen, um es designen zu können.
In China untersuchen viele preisgekrönte Design-Projekte (in den Bereichen Medien, Grafik, Inneneinrichtung und Produktdesign) den Lebensstil und das Kaufverhalten der jungen Generation und integrieren dies in ihr jeweiliges Design. Auch wenn die Generationen aus den 80er und 90er Jahren leichter Zugang zu internationalen Trends, sozialen Netzwerken, globaler Kultur und Meinungsvielfalt haben – und somit das Denken, Verhalten und Ansichten von Menschen hinsichtlich Design & Kunst beeinflussen – fällt es Ihnen trotzdem schwer, die Auswirkungen von authentischer »innovativer Kreativität« zu verstehen.

Wenn wir über Design im interkulturellen Kontext sprechen – welchen Einfluss kann eine Kultur überhaupt auf Design und Gestaltung haben?
Die kulturelle Evolution chinesischen Designs muss aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wie Geschichte, Tradition, Kultur, sozialökonomische Entwicklung und Bildung heraus bewertet werden. Lebensstil, Wohnraum, Work-Life Balance und Selbstdarstellung beeinflussen die Entwicklung des Designs im Kontext des kulturellen und ökonomischen Fortschritts in China.
China investiert massiv in Design und Innovation und ist bestrebt, eine eigene Kreativkultur aufzubauen, die entsprechend gefördert wird. Nichtsdestotrotz fehlt es bislang an einer originären kreativen Innovationskultur, die jedoch dringend gebraucht wird, damit China weltweit führend in der Kreativindustrie wird.

Während Ihrer beruflichen Laufbahn haben Sie schon in verschiedenen Kulturen und für unterschiedliche Kunden im Bereich Markenstrategie gearbeitet. Wo genau liegen die Herausforderungen in der interkulturellen Zusammenarbeit?
Interkulturelle Kommunikation ist immer eine Herausforderung. Verbale Kommunikation ist nicht alles, die meisten Schwierigkeiten im interkulturellen Bereich erwachsen aus falschen Annahmen und non-verbalen Signalen. Beispielhaft hierfür sind guānxì (Netzwerken, Beziehungen) und miànzi (Gesicht, z.B. persönliche Würde, soziale Stellung) – die Kenntnis dieser beiden grundlegenden Konzepte ist in China ein Muss.
Es ist wichtig zu wissen, dass die chinesische Geschäftskultur sehr hierarchisch ist. Es ist auch enorm wichtig, das Alter zu respektieren (die Philosophie des Konfuzius betont persönliche und staatliche Moral, die Korrektheit sozialer Beziehungen, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit). Wenn wir über Kommunikation reden, bedeutet dies nicht nur, was wir sagen, sondern auch wie wir etwas sagen. Zum Beispiel glaubt der Westen an feste Termine, die mit Kunden fixiert und an Kollegen weiter gegeben werden. Im chinesischen Kontext dagegen existiert immer noch ein »mehr« an Information hinter einer Nachricht. Das bedeutet, dass eine Deadline nicht zwangsläufig eine finale Deadline ist und jeder (Chinese) weiß das auch.
Es verlangt mehr Zeit und Engagement, um eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Chinesen und Westlern aufzubauen.

Welchen Ruf genießt europäisches Design in China bzw. im asiatischen Raum?
Europäisches Design genießt einen guten Ruf und hat einen großen Einfluss in der Vermittlung und Anwendung von Design. Es zielt auf den Geschmack der heimischen Konsumenten und ist gleichzeitig auf dem Weltmarkt begehrt. Dies ist besonders offensichtlich im Architektur-Design, dem sich in China schier endlose Möglichkeiten bieten. Konsequenterweise haben viele ausländische Firmen Wege gefunden, an diesem spannenden Markt zu partizipieren.
Viele chinesische Designfirmen unterstützen den Aufbau globaler Marken, aber sie laufen der europäischen Kreativität noch immer hinterher. Viele junge, ausländische Designer kommen nach Peking oder Shanghai, um dem weltweit dynamischsten Konsumgütermarkt ihre Expertise zur Verfügung zu stellen und an dessen Entwicklung beizutragen. Derzeit findet ein dramatischer Wechsel statt, weg von China als reine weltweite Werkbank für typischerweise in Europa entworfene Produkte hin zu einem unaufhaltsamen Bestreben, eigene innovative Produkte zu entwickeln. Heute will jeder in China das zukünftige Apple sein.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach global erfolgreiches Design und eine starke Marke aus?
Marken begegnen verschiedenen Herausforderungen. Beispielsweise müssen chinesische Marken Vorurteile hinsichtlich ihrer Qualität und fehlender Innovation überwinden. Chinesische Firmen verlieren ihren Kostenvorteil (ein Fakt), daher muss die neue globale Strategie anstelle von »made in China«, »made by China« lauten.
Firmen wie Alibaba, Haier oder Lenovo schreiten bereits in diese Richtung voran. Um etwas Neues zu tun, müssen sie weg von der »Me too«-Strategie (Preis-Wettbewerb und Selbstähnlichkeit). Mit anderen Worten, sie müssen etwas Einzigartiges anbieten, das einen echten Mehrweit für die Konsumenten weltweit bietet.
Es ist einfacher zu verstehen, wofür globales Design steht, aber schwierig, das passende chinesische Pendant zu finden.

Welche zukünftigen Entwicklungen haben Einfluss auf die Themen Design, Branding und Markenkommunikation?
Die jüngeren Generationen haben zunehmend ihre Prioritäten verändert, zum Beispiel verfolgen sie verstärkt persönliche Interessen und haben eine lockerere Haltung, die mehr auf die eigenen Gefühle und das persönliche Wohlbefinden abzielt und sich weniger auf Gehalt und Status konzentriert. In diesem Kontext findet Konversation unter neuen Bedingungen statt, nämlich, wann ich möchte und was ich möchte. Effektive Markenkommunikation sollte die Konsumenten gezielt ansprechen, faszinieren und involvieren. Ich weiß nicht, ob wir jede Facette unseres Lebens gestalten können, da gewisse festgeschriebene Aspekte bestehen. Wie auch immer: unsere Fantasie und unser ultimatives Verlangen besteht darin, unser Leben zu gestalten und damit konsequenterweise auch zu verändern.
Dies wird besonders augenscheinlich zu einer Zeit, in der wir das »Internet der Dinge« erleben, ein Konzept, das alles miteinander verbindet: Mensch-Mensch, Mensch-Gegenstand, Gegenstand-Gegenstand.

Welche sind die »Hot Brands« in China und warum?
Heute sind die begehrtesten Marken die, die sich am Markt orientieren. Zum Beispiel Marken wie Tencent, ein Anbieter von Massenmedien, Entertainment, Internet und Services für Mobiltelefone, sowie Alibaba, ein E-Commerce Unternehmen, das C2C-, B2C- und B2B-Vertriebsdienstleistungen über Web-Portale anbietet. Diese hatten in den letzten Jahren den schnellsten Wertzuwachs ihrer Marke (Tencent legte beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren um 442% zu).
Ich denke, dass Tencent, das weltweit größte soziale Netzwerk, aufgrund des immens effektiven und boomenden »Social Selling« weiter wachsen wird (WeChat – Weixin ist eine Messaging-App und hat über 400 Mio. Nutzer in China). Social Networks bieten insbesondere der jüngeren Generation viele unterschiedliche Dienste sowie den Nutzen, mit neuen Personen in Verbindung zu treten, Meinungen mit Gleichgesinnten auszutauschen etc.

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Interview Jianjun Xie

Interview zum Thema »Interkulturelles Design« – Jianjun Xie, Dongdao

Sie sind Präsident einer chinesischen Markenberatung, Mitglied in verschiedenen Design-Organisationen und haben viele Auszeichnungen für ihre Arbeiten erhalten. Was zeichnet für Sie chinesisches Design aus? Gibt es gar eigene regionale Stile innerhalb Chinas?

Eines der Elemente, welches das chinesische Design von anderen unterscheidet, ist seine kulturelle Vielfalt und Integration. Die 56 Ethnien in China haben alle eine unverwechselbare Kultur. Zugleich haben sich diese Kulturen über die letzten 5.000 Jahre hinweg gegenseitig beeinflusst. Dies resultiert zwangsläufig in einer vielfältigen Kultur, die das chinesische Design so unverkennbar macht. Auf einer Fläche von 9,6 Mio. kmvariiert die Kultur und der Stil regional sehr stark, von Ost nach West und Süd nach Nord. Daher zeigt das Design einzigartige regionale Ausprägungen.

Was macht für Sie gutes Design in Europa aus und was unterscheidet chinesisches Design in der Gestaltung?
Früher war das europäische Design durch die Religion, die reichen Familien und ihren Lebensstil beeinflusst, hatte eine stark dekorative Bedeutung. Es war prunkvoll, grazil und klassisch. Das Design im heutigen Europa variiert regional. Grundsätzlich kann man sagen, dass das Design in Frankreich modisch und romantisch ist, in Italien ist es künstlerisch und leidenschaftlich, während das deutsche Design Schlichtheit, Logik und Funktion betont und das Design in Skandinavien den Fokus auf Umweltschutz und Vernunft legt.
Beeinflusst durch die traditionelle Kultur legt das chinesische Design Wert auf die Natur. Es ist natürlich und einfach, enthält aber nichtsdestotrotz eine tiefere Bedeutung und Glückwünsche, das spiegelt sich in vielen Aspekten des Lebens wider. Andererseits zeigt das chinesische Design die unterschiedlichen ethnischen Charakteristika durch den Einsatz verschiedener Farben.

Wenn wir über Design im interkulturellen Kontext sprechen – welchen Einfluss kann eine Kultur überhaupt auf Design und Gestaltung haben?
Designer sind durch ihren kulturellen Hintergrund geprägt. Diese jeweilige nationale Kultur beeinflusst und limitiert ihre Denkweise gleichsam, weswegen es nicht einfach ist, kulturelle Unterschiede zu überwinden.

Bei Dongdao arbeiten Sie seit vielen Jahren mit verschiedenen internationalen Kunden zusammen. Wo genau liegen die Herausforderungen in der interkulturellen Zusammenarbeit?
Wir haben mit einer Vielzahl internationaler Kunden zusammengearbeitet und haben viel Erfahrung darin, Design an lokale Gegebenheiten anzupassen. Die größten Herausforderungen stellen sich hinsichtlich der Sprache, der Arbeitsgewohnheiten, verschiedener Geschäftsmodelle und der Etablierung gegenseitigen Vertrauens.

Welchen Ruf genießt deutsches Design in China bzw. im asiatischen Raum?
Deutsches Design hat einen sehr guten Ruf in China sowie im Rest Asiens. Es hat einen großen Einfluss auf das Design im heutigen China, auf Designer wie mich und auch auf meine Lehrer. Wir lernen deutsches Design und mögen die Art und Weise, wie die Deutschen Dinge tun. Chinesen haben den Eindruck, dass das Wesen der Deutschen von Ernsthaftigkeit und Präzision geprägt ist, und wir glauben ebenso, dass deutsches Design sehr logisch und stringent ist.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach global erfolgreiches Design und eine starke Marke aus?
Damit Design erfolgreich ist, sollte man die Grundbedürfnisse der Konsumenten und Nutzer herausfinden und zugleich einen Weg, um diese Bedürfnisse zu bedienen.
Global betrachtet sind erfolgreiches Design und erfolgreiche Marken integrativ, zollen der jeweiligen lokalen Kultur Respekt, sind kreativ und sollten so kommuniziert werden, dass sie zu den Ideen und Vorlieben der Leute passen.

Welche zukünftigen Entwicklungen haben Einfluss auf die Themen Design, Branding und Markenkommunikation?
Netzwerke (Internet, mobiles Internet und Telematik), die Ära (bezogen auf die Mainstream-Gesellschaft) und künstliche Intelligenz werden einen Einfluss auf Themen wie Design, Branding und Markenkommunikation ausüben.

Welche sind die »Hot Brands« in China und warum?
Momentan sind die angesagtesten Marken Internet-Unternehmen wie Alibaba, JD.com, Tencent oder Baidu. Der Grund ist, dass das Internet zum Mainstream Trend in China wird. Es gibt eine riesige Anzahl von sogenannten »Netizens« (Kombination aus Internet und Cititzens), die bereits bei über 600 Mio. liegt.

Was inspiriert Sie und wer sind Ihre Vorbilder?
Mein ureigenes Interesse und meine Leidenschaft für Design inspirieren mich, da ich persönlich denke, dass wahre Kreation nur aus einer spirituellen Perspektive heraus entsteht.
Zu meinen Vorbildern zählen zum Beispiel die westlichen Künstler, herausragende Design-Firmen, meine Lehrer und sogar die traditionelle fernöstliche spirituelle Kultur, da sie eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration darstellt. Der Name unserer Firma »Dongdao« (das bedeutet …) spiegelt meine Philosophie sehr gut wider: eine Verbindung aus fernöstlicher Philosophie und westlicher Technik.

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Interview Grace Chou & Till Bergs

Interview zum Thema »Interkulturelles Design« – Grace Chou & Till Bergs

Sie beide haben mittlerweile schon seit vielen Jahren Ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Amerika. Was macht amerikanisches Design aus, welche Ursprünge und Gestaltungsformen hat es?

Die Ursprünge des amerikanischen Grafikdesigns finden sich in den 20er Jahren und sind stark vom europäischen Modernismus geprägt, z.B. den italienischen Futuristen, russischen Konstruktivisten, dem Bauhaus-Stil und dem Schweizer Design. Die Kombination dieser Einflüsse ist besonders offensichtlich im Branding und in der Werbung der Nachkriegszeit, als von Seiten der Industrie Bedarf bestand. Heute wimmelt es in New York von Designern aus aller Welt und man sieht die Vielfalt im Design-Denken und in den Ansätzen. 

Sie wohnen in New York, einer Stadt mit vielen Facetten und vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Inwieweit beeinflusst das Leben in einer solchen Metropole Ihre Arbeit?
New York City inspiriert uns, aber beeinflusst unseren Stil nicht zwangsläufig. Eines ist sicher: In New York existieren viele verschiedene Stile nebeneinander. Hier genießt man mehr Freiheit, auf unterschiedliche Art und Weise sowie mit unterschiedlichen Herangehensweisen zu gestalten, während in Deutschland oder auch in anderen europäischen Städten die Stile sehr ausgeprägt sind. Da Design oftmals eine Reflektion der Kultur ist, ist das New Yorker Design das Ergebnis verschiedener Kulturen, die hier aufeinander treffen.

Wenn wir über Design im interkulturellen Kontext sprechen – welchen Einfluss kann eine Kultur überhaupt auf Design und Gestaltung haben?
Heutzutage, wo alles miteinander verbunden ist und jeder Zugang zu Design und unterschiedlichen Kulturen rund um den Globus hat, ist der Einfluss von einer einzigen Kultur marginal.

Während Ihrer beruflichen Laufbahn haben Sie schon für viele internationale Kunden gearbeitet. Wo genau liegen die Herausforderungen in der interkulturellen Zusammenarbeit?
Die Hauptschwierigkeit in der interkulturellen Zusammenarbeit ist, dass man die andere Kultur nie vollständig versteht. Bei jedem Auftrag projizieren Designer normalerweise eine gewisse Kundenerwartung in ihre Arbeit, aber da es kulturelle Unterschiede gibt, ist diese Projektion oftmals nicht richtig, egal wie gut vorbereitet man ist. Dies trifft ebenfalls auf die Art und Weise zu, wie man miteinander interagiert. Zum Beispiel, haben Deutsche im Vergleich zu Amerikanern einen sehr direkten Ansatz wenn sie Kritik an der Arbeit bzw. den Resultaten üben. In Deutschland ist es angemessen einem Kunden zu sagen, was an einem Projekt nicht stimmt, während man in Amerika darauf fokussiert ist, wie man Dinge verbessern könnte.

Sie waren auch in Deutschland als Designer tätig. Was macht gutes Design in Deutschland aus und welchen Ruf genießt deutsches Design in den USA?
Gutes Design in Deutschland zeichnet sich durch einen starken systematischen Ansatz, inhärente Struktur und eine ganzheitliche Ausführung aus. Der Durchschnitts-Amerikaner würde deutsches Design, außer bei Automobilmarken, wahrscheinlich nicht erkennen, aber in der Design-Welt wird es für die genannten Qualitäten geschätzt.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach global erfolgreiches Design und eine starke Marke aus?
Wir sind der Meinung, dass eine Marke nur erfolgreich sein kann, wenn auch ein starkes Produkt dazu gehört. Es ist entscheidend, dass die Unternehmenskultur sich an den Markenwerten ausrichtet. Gutes Design kann die Stärken einer Marke hervorheben und manchmal auch die Kultur eines Unternehmens verändern. In einem perfekten Szenario leitet Design die Umwandlung der Unternehmenskultur ein, sodass die Markenwerte dem Produkt innewohnen.

Welche zukünftigen Entwicklungen haben Einfluss auf die Themen Design, Branding und Markenkommunikation?
Wertebewusstsein, Nachhaltigkeit und Technologie.

Welche sind die »Hot Brands« in den USA und warum?
In den USA gibt es etliche populäre Marken. Seitdem es das Internet gibt, sind die Medien schon zu lange zersplittert, sodass es zu stark vereinfacht wäre zu behaupten, dass eine oder einige Marken den Markt beherrschen.

Was inspiriert Sie und wer sind Ihre Vorbilder?
Es ist sehr inspirierend, in New York zu arbeiten und zu leben. Die Stadt ist voller ambitionierter und inspirierender Persönlichkeiten. Wir nutzen diese Energie tagtäglich für uns.

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Interview Keisuke Futakuchi

Interview zum Thema »Interkulturelles Design« – Keisuke Futakuchi, nanilani

Sie sind als Chefstratege bei der Tokioter Branding-Agentur Nanilani tätig. Was zeichnet für Sie gutes Design in Japan aus und welche Charakteristika sind bestimmend?
1. Leere
Aufgrund der geographischen Lage als Inselstaat im Fernen Osten, wurde Japan seit jeher stark von westlichen Nationen beeinflusst und hat in seiner Geschichte unterschiedliche Kulturen akzeptiert. Nachdem Japan viele Jahre lang fremde Kulturen in sich aufgenommen hat, begann der General in der alten japanischen Hauptstadt Kyoto in der Mitte des 15. Jahrhunderts, die ursprüngliche Schönheit der eigenen Kultur wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Das Konzept wurde als »Leere« und nicht als »Schlichtheit« angesehen. Die Leere verdeutlicht das Potenzial, mit Dingen befüllt zu warden, mit etwas Neuem. Sogar der bedeutendste Schrein Japans, Ise Jingu, wurde so konzipiert, dass er alle 20 Jahre wieder erbaut wird, um dieser Tradition zu folgen.

2. Das »WA«-Konzept
»WA« erläutert viele der Hauptcharakteristika japanischen Designs. Die 1:1 Übersetzung würde lauten: die Seele der Versöhnung oder Harmonie. Die Menschen in Japan haben ein großes Interesse an der Vereinigung gegensätzlicher Werte, wie beispielsweise Handwerk und Industrie, Stadt und Land, Natur und Wissenschaft sowie von vielen weiteren gesellschaftlichen Gegensätzen.
Genau genommen, ist »WA« das einzige Symbol, das in einem einzelnen Buchstaben für das »japanische« steht. Zum Beispiel bedeutet »WA-Shoku« wortwörtlich »japanische Küche« und »WA-fu« steht für »japanischer Stil«, wenn man über Design oder Architektur spricht. Es zeigt, wie tief dieses Konzept in unserer Kultur verwurzelt ist.

Sie wohnen in Tokio, einer pulsierenden hippen Weltstadt, aber auch in einem Land mit Jahrtausende alter Tradition. Inwieweit beeinflusst das Leben in einer solchen Metropole und dieser Kontrast Ihre Arbeit?
Der duale Charakter Tokios macht die Stadt so aufregend. Auch wenn während des Zweiten Weltkriegs viele alte Viertel zerstört wurden, existieren noch einige dieser alten Gebäude, Tempel und Schreine, die die Tradition der Stadt vermitteln. Gleichzeitig entwickelt sich Tokio hinsichtlich Entertainment, Technologien, Nahrungsmittel und Mode immer weiter. Beispielsweise ist der Sky Tree, der größte Fernsehturm der Welt, nur eine Meile entfernt vom berühmtesten Tempel, dem Sensoji in Asakusa, der vor über 1.400 Jahren erbaut wurde.
Japaner genießen es, sich eine Kabuki-Vorstellung anzusehen, während viele Ausländer von einem »Roboter-Restaurants« angezogen werden, in dem eine Handvoll Roboter vor dem Publikum tanzen.
Wenn man in diesem Umfeld arbeitet, sollte man stets flexibel genug sein, neue Dinge zu akzeptieren, während man auch dem kulturellen Erbe ein großes Maß an Respekt zollt.

Wenn wir über Design im interkulturellen Kontext sprechen – welchen Einfluss kann eine Kultur überhaupt auf Design und Gestaltung haben?
Wie bereits erwähnt, sind die Japaner schon immer neugierig gewesen und haben enorme Anstrengungen unternommen, von anderen Kulturen zu lernen und deren Errungenschaften im Markt zu adaptieren. Nur um einen der aktuellen Trends zu nennen: die Kultur und der Lebenstil der US-Westküste, hauptsächlich um San Francisco und Portland herum, haben einen großen Einfluss auf das Design und die Kreativkultur Japans. Dieser Trend hat sich durch die Globalisierung in den letzten zehn Jahren noch drastisch verstärkt. Ich bin ziemlich sicher, dass es im Zuge der Olympischen Spiele 2020 in Tokio verstärkt interkulturelle Zusammenarbeit geben wird.

Sie betreuen seit vielen Jahren namhafte internationale Kunden. Wo genau liegen die Herausforderungen in der interkulturellen Zusammenarbeit?
Es gibt nur zwei, allerdings schwierige Herausforderungen für uns Japaner.
Erstens, wir müssen härter an unseren Englischkenntnissen arbeiten, insbesondere an unseren Präsentations- und Diskursfähigkeiten.
Zweitens müssen wir aufgeschlossener werden und uns daran gewöhnen, mit Menschen rund um den Globus zusammen zu arbeiten. Dies ist der einzige Weg, die wahre Bedeutung von gegenseitigem Respekt zu verstehen und interkulturelle Beziehungen zu fördern.

Welchen Ruf genießt deutsches Design in Japan bzw. im asiatischen Raum?
Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, wie es im Rest Asiens ist, aber deutsches Design ist in Japan sehr angesehen – insbesondere das Produktdesign und alles in Bezug auf die Automobilindustrie. Wie in vielen anderen Märkten auf der Welt auch, waren globale Marken wie adidas, Audi, Porsche, Mercedes und BMW stets lange der Maßstab für Produktdesign, Qualität, Marketingkommunikation usw.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach global erfolgreiches Design und eine starke Marke aus?
Marken, die eine starke emotionale Verbundenheit zu ihren Kunden, unabhängig von Nationalität, aufbauen können und sich dabei das nachhaltige, konsistente und strukturierte grundlegende System zu Nutze machen, haben eine gute Chance, überall auf der Welt erfolgreich zu sein.

Welche zukünftigen Entwicklungen haben Einfluss auf die Themen Design, Branding und Markenkommunikation?
Die schnelllebigen Technologie-Trends haben definitiv einen großen Einfluss auf diese Industrien. Ohne zu wissen, wie sich die Kommunikation innerhalb der Gesellschaft transformieren wird, können wir überhaupt nicht wissen, wie sich die Marke am effektivsten verhalten oder am angemessensten mit ihren Kunden kommunzieren soll.

1. Neue Kommunikationsplattform
2. Nahtlose Kauferfahrung
3. Tragbare Computergeräte

Welche sind die »Hot Brands« in Japan und warum?
1. JINS (Brillen)
Geleitet von Hitoshi Tanaka, dem visionären Gründer dieser Marke, entwickelte sich JINS nach nur 10 Jahren auf diesem umkämpften Markt zur meistverkauften Brillenmarke. JINS bietet qualitative Brillen mit einer großen Auswahlmöglichkeit unterschiedlicher Stile zu unglaublichen Preise, sodass man die Möglichkeit hat, seine Brille wie seine Kleidung zu wechseln. JINS versucht, die Beziehung von Brillen und den Menschen, die sie tragen, zu verändern.
Wenn sie weiterhin in die richtige Richtung wachsen, indem sie das starke Fundament der Marke ausbauen und auch künftig die essenziellen Werte vermitteln, um das Leben der Kunden zu verbessern, haben sie eine gute Chance, in den nächsten 10 Jahren die Nummer 1 der Brillenmarken weltweit zu werden – ähnlich wie H&M die Modeindustrie demokratisiert hat.

Wenn ich noch weitere nennen müsste, wären es die folgenden zwei:
2. Softbank (IT)
Bekannt als drittgrößter und am schnellsten wachsender Mobilfunkanbieter sowie Besitzer eines populären, japanischen Baseball-Teams. Tatsächlich ist Softbank bezogen auf den Gesamtumsatz weltweit die Nummer 3, was auf die zahlreichen IT-Tochterfirmen zurückzuführen ist. Softbank wurde vor 35 Jahren von dem genialen Unternehmer Masayoshi Son gegründet und das Unternehmen hat seine Dynamik seitdem nie verloren. Letztes Jahr war man überrascht, als Softbank erstmals einen menschartigen Roboter names Pepper verkaufte.

3. Seven Eleven (Lebensmittelgeschäft)
Ursprünglich war dies eine amerikanische Firma, die aber inzwischen mit der Seven & I Holding in Japan fusioniert ist.
Seitdem sie 1973 ihren ersten Store in Tokio eröffneten, hat Seven Eleven die Zahl der Franchise-Läden in Japan kontinuierlich gesteigert. Die Umsatzzahlen und Gewinne wachsen seit über 40 Jahren stetig im Vergleich zum Vorjahr. Die Qualität ihres Geschäftsbetriebs liegt weit über dem der Mitbewerber und das Management-System hat sich fast überall auf der Welt bewährt.

Was inspiriert Sie und wer sind Ihre Vorbilder?
Meine vierjährige Tochter war immer schon meine größte Inspiration. Sie erinnert mich immer daran, wie wichtig es ist, immer auch jung zu bleiben, egal wie alt man ist, damit man die Welt stets mit offenen Augen betrachtet. Ich versuche, nicht zu professionell zu sein, wenn ich mir ansehe, was in meinem Umfeld alles geschieht.
Als Marketingfachmann hat mich stark Steve Jobs beeinflusst, von der Art und Weise, wie er die Bedürfnisse der Leute erkannte und kontinuierlich wegweisende Löungen erschuf, um deren Bedürfnisse zu erfüllen.

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